Unter Retraining versteht man das „Umlernen“ des Gehirns. Ein chronisches Ohrgeräusch wird in unserem Gehirn gespeichert wie ein Datensatz auf der Festplatte eines Computers.

Die klassische Retraining Therapie erfolgt mit Hilfe von sogenannten Noisern. Diese produzieren, vereinfacht ausgedrückt, ein „Gegengeräusch“ zum Tinnitus. Bei uns kommen Noiser, Hörgeräte oder Kombinationsgeräte aus Noiser und Hörgerät zum Einsatz.

 

Therapie mit NOISERN

Ursprünglich wurde die „RETRAINING-Therapie“ als Anwendung eines NOISERS (= Rauschgenerator) gemeinsam mit einer ausführlichen Aufklärung und Beratung (= Counselling) des Patienten zum Thema Tinnitus definiert.  Bei dieser Aufklärung geht es auch darum, dem Patienten unbegründete Ängste, die durch den Tinnitus verursacht werden,  zu nehmen.

Wir haben in unserem Tinnituszentrum frühzeitig begonnen, zusätzlich zum reinen Noiser  auch Hörgeräte oder Kombinationsgeräte (= Hörgerät mit integriertem Noiser) einzusetzen. Der Erfolg mit dem Hörgerät ist für Patienten sofort nach dem Einsetzen der Geräte erlebbar. Bereits Sekunden nach dem Einsetzen der Geräte können die meisten Patienten ihren Tinnitus gar nicht mehr oder nur mehr stark abgeschwächt hören.

Erfolgreiche Tinnitus Therapie beruht auf Umschulen (Retraining) des Gehirns und einem Ausgleich der meist vorhandenen Hörschwäche.

 

Hörminderung und Tinnitus

Jede Hörminderung , auch wenn sie ganz gering ist oder nur im Hochtonbereich liegt, fördert die Entstehung eines Ohrgeräusches. Die Tinnitusfrequenz liegt fast immer im Bereich der größten Hörminderung. Also gerade dort, wo die „grauen Zellen“ unserer Hörrinde zuwenig „Ansprache“ von draußen haben, entwickeln sie ein Eigenleben, sie verfallen in „synchrone Aktivität“ und produzieren damit einen Tinnitus. Aus diesem Grunde ist es wichtig, jede Hörminderung mit entsprechenden Hörhilfen als Teil einer umfassenden Tinnitusbehandlung zu korrigieren.

 

Therapie mit Geräten (Hörgeräte und Kombinationsgeräte)

Der Effekt der Hörgeräte ist zunächst eine Überlagerung des Tinnitus durch die nun wieder hörbar gewordenen Umgebungsgeräusche. Nach dem Herausnehmen der Geräte ist der Tinnitus zunächst gleich wieder hörbar. Aber bereits nach ein paar Wochen ändert sich das Bild: es dauert immer länger, bis das Ohrgeräusch wieder auftritt und es wird auch merklich leiser. Bei einem Teil der Patienten genügt eine spezielle Hörgeräte-Anpassung, um den Tinnitus weitgehend zu unterdrücken. Wenn möglich, erhalten unsere Patienten immer „Kombinationsgeräte“ aus Hörgerät und Rauschgenerator. Wenn sich später einmal herausstellen sollte, dass das Hörgerät alleine zur Unterdrückung des Tinnitus nicht ausreichen sollte, kann der Rauschgenerator eingeschaltet werden und damit eine zweite Therapie-Schiene gegen das Ohrgeräusch aktiviert werden.

Heller und Bergman führten 1953 ein Experiment durch, bei dem sie 80 normalhörende Personen für jeweils 5 Minuten in einem schalldichten Raum plazierten und sie baten, über das Gehörte zu berichten. 93 Prozent berichteten, etwas gehört zu haben, obwohl es in der Kammer völlig still blieb. Das heißt, sie entwickelten bei völliger äußerer Stille innerhalb von 5 Minuten einen Tinnitus.

Tinnituspatienten sollten daher Stille meiden, dies gilt insbesondere für das Schlafzimmer. Auch hier ist ein möglichst angenehmes Hintergrundgeräusch wichtig, um den Kontrast zum Tinnitus abzuschwächen.

Eine mentale Technik, die es erlaubt die Körperwahrnehmung auf Atmung, Herzschlag oder Wärme und Schwere von Armen und Beinen zu fokussieren wie das autogene Training oder Muskelentspannung nach Jacobson verhindern gemeinsam mit der Geräuschkulisse die Tinnituszunahme beim Schlafengehen und in der Nacht.