„Tinnitus“ ist die medizinische Bezeichnung für Ohrgeräusche. Ohrgeräusche können ganz unterschiedlich klingen. Hohe Pfeif- und Piepstöne sind am häufigsten, auch Maschinengeräusche, Brummen und Sausen sind möglich. Die Frequenz des Geräusches entspricht fast immer der Frequenz des größten Hörverlustes. (Siehe auch unter „Therapie mit Geräten“). Auch pulssynchrone, pochende Geräusche, die dem Herzschlag entsprechen, sind möglich.

Meist handelt es sich um einen „subjektiven“, das heißt nur vom Betroffenen wahrnehmbaren Tinnitus. Objektive auch von außen mit dem Stethoskop hörbare Geräusche können durch Strömungsgeräusche der Blutgefäße, die Überaktivität von Muskulatur oder eine Überaktivität der äußeren Haarzellen entstehen.

Ein akutes Ohrgeräusch wird vom Patienten im Ohr lokalisiert. Bei längerem Bestehen ändert sich das Bild. Viele Patienten lokalisieren den Tinnitus dann „im Kopf“, was auch der tatsächlichen Abspeicherung des Geräusches im Gehirn entspricht.

Ein solches „chronisches Ohrgeräusch“ kann nicht mehr medikamentös behandelt werden. Nur Therapien, die wie die „Retraining-Therapie“ direkt am Gehirn ansetzen sind dann noch erfolgversprechend.

Der unterschiedliche Leidensdruck des Tinnitusgeräusches

Ungefähr 85 Prozent derjenigen, die Tinnitus haben, empfinden ihn nicht als aufdringlich, störend oder Angst einflößend. Der Grund hierfür ist nicht, dass die Qualität oder die Lautheit des Tinnitus geringer sind, denn es hat sich herausgestellt, dass Art und subjektive Lautstärke des Tinnitus bei Personen mit hohem und mit geringem Leidensdruck sehr ähnlich sind.

Der hauptsächliche Unterschied besteht darin, dass diejenigen Tinnitus lästig finden, die ihn unbewusst oder bewusst als eine Bedrohung bewerten und so verstehen oder zumindest als ein Ärgernis.

Alarmierende Höreindrücke können im Gehirn unmittelbar zu einer Stressreaktion mit entsprechender Alarmreaktion des autonomen Nervensystems führen. Die enge anatomische und funktionelle Beziehung zum sog. Limbischen System, das unsere Gefühlswelt repräsentiert spiegelt die Beeinflussbarkeit unserer Seele durch Hörinformationen wieder. Bedenken Sie, wie der Schrei eines Kindes durchdringend sein und welches Glücksgefühl eine schöne Melodie auslösen kann.