
Tinnitus Ursachen können vielfältig sein: Häufig sind Ohrgeräusche wie Pfeifen, Rauschen, Brummen oder Klingeln harmlos. Dennoch sollte jedes neu aufgetretene Ohrgeräusch HNO-fachärztlich abgeklärt werden, um mögliche behandelbare Ursachen zu erkennen.
Oft tritt Tinnitus vorübergehend nach Lärmbelastung, Stress, einer Mittelohrentzündung oder einer anderen Belastung des Hörsystems auf. In seltenen Fällen können jedoch behandelbare oder ernstere Erkrankungen dahinterstecken.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen einseitige, zunehmende oder pulssynchrone Ohrgeräusche – also Geräusche, die im Takt des Herzschlags auftreten.
Einseitiger oder zunehmender Tinnitus
Ein Tinnitus, der nur auf einem Ohr auftritt, neu begonnen hat oder im Verlauf deutlich stärker wird, sollte ärztlich untersucht werden. Das gilt besonders, wenn zusätzlich eine Hörminderung, Schwindel, ein Druckgefühl im Ohr, Ohrenschmerzen oder neurologische Beschwerden auftreten.
Welche Ursachen kommen infrage?
Einseitige Ohrgeräusche können verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen beispielsweise Veränderungen im Mittelohr, Erkrankungen des Innenohrs oder Durchblutungsstörungen. Eine seltene mögliche Ursache ist ein gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs, das sogenannte Vestibularisschwannom.
Einseitiger Tinnitus bedeutet nicht automatisch, dass ein Tumor vorliegt. In vielen Fällen stecken andere Ursachen dahinter. Die Kombination aus einseitigem Tinnitus und einseitiger Hörminderung sollte jedoch durch eine HNO-ärztliche Untersuchung und einen Hörtest abgeklärt werden. Abhängig von den Befunden kann zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll sein.
Auch ein Tinnitus, der über Wochen oder Monate zunimmt, sollte nicht einfach ignoriert werden. Eine zunehmende Symptomatik kann beispielsweise mit einer fortschreitenden Hörstörung, einer Erkrankung des Innenohrs oder – deutlich seltener – einer Gefäßveränderung zusammenhängen.
Pulsierender Tinnitus: Wenn das Ohrgeräusch im Takt des Herzschlags auftritt
Ein pulssynchroner Tinnitus unterscheidet sich von den klassischen Ohrgeräuschen. Betroffene beschreiben häufig ein Pochen, Klopfen oder Rauschen, das synchron zum Herzschlag wahrgenommen wird.
Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken. Dazu zählen beispielsweise ein erhöhter Blutdruck, eine Blutarmut oder eine verstärkte Wahrnehmung des Blutflusses. In manchen Fällen sind Veränderungen an Blutgefäßen im Bereich des Ohres, des Schädels oder des Halses verantwortlich.
Ein pulssynchroner Tinnitus sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden – insbesondere, wenn er neu auftritt, einseitig ist oder zunehmend stärker wird. Treten zusätzlich starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, neurologische Ausfälle oder ausgeprägter Schwindel auf, ist eine rasche medizinische Beurteilung erforderlich.
Mögliche seltene Ursache: Glomus-Tympanicum-Tumor
Eine seltene Ursache für pulssynchronen Tinnitus ist ein Glomus-Tympanicum-Tumor. Dabei handelt es sich meist um einen langsam wachsenden, in der Regel gutartigen Tumor im Mittelohr. Er entsteht aus speziellen Zellen in der Nähe kleiner Nerven- und Gefäßstrukturen.
Mögliche Beschwerden sind:
- einseitiges, pulssynchrones Ohrgeräusch
- zunehmende Hörminderung
- Druck- oder Völlegefühl im Ohr
- gelegentlich Ohrenschmerzen oder Schwindel
- selten eine sichtbare rötliche Veränderung hinter dem Trommelfell
Der Tumor ist in der Regel gutartig, kann durch sein Wachstum jedoch wichtige Strukturen im Mittelohr oder in der Umgebung beeinträchtigen.
Zur Diagnostik kommen eine HNO-ärztliche Untersuchung, ein Hörtest und – je nach Befund – bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) infrage.
Die Behandlung richtet sich unter anderem nach Größe, Wachstum, Beschwerden und allgemeinem Gesundheitszustand. Je nach Situation können regelmäßige Kontrollen, eine Operation, eine Bestrahlung oder andere spezialisierte Verfahren infrage kommen.
Eine weitere seltene Ursache: Durale arteriovenöse Fistel
Eine weitere seltene, aber wichtige Ursache für pulssynchronen Tinnitus ist eine durale arteriovenöse Fistel (dAVF). Dabei besteht eine krankhafte Verbindung zwischen Arterien und venösen Blutleitern in der harten Hirnhaut.
Durch diese Verbindung verändert sich der Blutfluss, wodurch ein pulsierendes Ohrgeräusch entstehen kann. Manche dieser Gefäßverbindungen verlaufen vergleichsweise unauffällig. Andere können jedoch den Druck in den venösen Gefäßen erhöhen oder mit einem Blutungsrisiko verbunden sein.
Mögliche Hinweise sind:
- ein neu aufgetretener pulssynchroner Tinnitus
- einseitiges Pochen oder Rauschen im Ohr
- Kopfschmerzen
- Sehstörungen
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- neurologische Ausfälle
- selten Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen
Welche Untersuchungen erforderlich sind, hängt vom individuellen Verdacht ab. Zum Einsatz kommen können eine Magnetresonanztomografie, eine MR-Angiografie oder eine CT-Angiografie. In bestimmten Fällen ist eine digitale Subtraktionsangiografie (DSA) erforderlich, mit der sich die Gefäßverhältnisse besonders detailliert darstellen lassen.
Die Behandlung hängt von Lage und Eigenschaften der Gefäßverbindung ab. Mögliche Verfahren sind eine endovaskuläre Behandlung über einen Katheter, eine Operation oder eine Kombination verschiedener Methoden. Die Entscheidung erfolgt in spezialisierten Zentren.
Wann sollte man bei Tinnitus sofort ärztliche Hilfe suchen?
Nicht jeder Tinnitus ist ein Notfall. Bestimmte Begleitsymptome erfordern jedoch eine sofortige medizinische Beurteilung.
Sofortige Hilfe ist erforderlich, wenn Ohrgeräusche gemeinsam mit folgenden Beschwerden auftreten:
- plötzlich auftretender Hörminderung oder plötzlichem Hörverlust
- Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen
- starken, neuartigen Kopfschmerzen
- akuten Sehstörungen
- Bewusstseinsstörungen
- ausgeprägtem, plötzlich einsetzendem Schwindel oder anderen neurologischen Ausfällen
Ein plötzlich einsetzender einseitiger Hörverlust sollte unverzüglich HNO-ärztlich beurteilt werden. Bei starken neurologischen Symptomen oder dem Verdacht auf eine akute Gefäßerkrankung sollte der Notruf gewählt werden.
Welche Untersuchungen sind bei Tinnitus sinnvoll?
Die erste Anlaufstelle ist meist eine HNO-ärztliche Praxis. Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von der Art des Ohrgeräusches, den Begleitsymptomen und den Ergebnissen der ersten Untersuchung ab.
Typische Untersuchungen sind:
- Untersuchung des Gehörgangs und Trommelfells: Dabei werden sichtbare Veränderungen und mögliche Ursachen im äußeren Ohr und Mittelohr beurteilt.
- Hörtest: Er hilft festzustellen, ob eine Hörminderung vorliegt und welche Frequenzbereiche betroffen sind.
- Messung der Mittelohrfunktion: Sie kann zusätzliche Hinweise auf Veränderungen im Mittelohr liefern.
- Weitere medizinische Abklärung: Je nach Beschwerden kann eine neurologische oder gefäßmedizinische Einschätzung erforderlich sein.
- Bildgebung: Bei bestimmten Befunden können CT, MRT oder spezielle Gefäßdarstellungen sinnvoll sein.
Bei einseitigem, zunehmendem oder pulssynchronem Tinnitus kann eine weiterführende Untersuchung durch die Radiologie, Neurologie, Neurochirurgie oder eine spezialisierte HNO-Abteilung notwendig werden.
Nicht jeder Tinnitus erfordert eine umfangreiche Bildgebung. Entscheidend ist, die Untersuchungen gezielt anhand der Beschwerden und des ärztlichen Befundes auszuwählen.
Fazit: Neue, einseitige oder pulsierende Ohrgeräusche abklären lassen
Tinnitus ist häufig und in vielen Fällen nicht gefährlich. Einseitige, zunehmende oder pulssynchrone Ohrgeräusche sollten jedoch ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.
Seltene Ursachen wie ein Glomus-Tympanicum-Tumor oder eine durale arteriovenöse Fistel kommen zwar deutlich seltener vor, können aber medizinisch relevant und teilweise behandelbar sein.
Wer ein neues, einseitiges oder im Takt des Herzschlags pulsierendes Ohrgeräusch bemerkt, sollte zeitnah eine HNO-ärztliche Untersuchung vereinbaren. Bei plötzlich auftretendem Hörverlust oder akuten neurologischen Symptomen ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.
