Die Bedeutung von Geräuschen

Geräusche sind von enormer Wichtigkeit bei der Überprüfung unseres Umfeldes. Das Gehör von Tieren, die zum Teil über ein außerordentlich scharfes Gehör verfügen, ist von großer Bedeutung für ihr Überleben beispielsweise um den Angriff eines Raubtieres rechtzeitig wahrnehmen zu können. Diese Warnsignale erzeugen heftige Angst und lösen entsprechende Reaktionen aus, den sog. Überlebensreflex. Manche Geräusche könne als Warnsignale identifiziert werden, andere hingegen lösen Gefühle von Sicherheit oder Wohlbefinden aus.

Wir erfahren das Tag täglich mit Geräuschen indem uns einige erschrecken wie z.B. ein Signalhorn und andere die uns beruhigen, wie z.B.Musik oder Naturgeräusche.

Die Hörbahnen in unserem Gehirn sind vielfältig mit dem Limbischen System verbunden, daß für Emotionen und Lernen zuständig ist. Jeder Ton, den wir hören und dessen Bedeutung wir lernen, bekommt ein „Emotionales Etikett“ angeheftet, daß sich von Zeit zu Zeit auch ändern kann, je nach dem, wie wir uns gerade selbst fühlen und in welchem Zusammenhang wir den Ton hören. So kann z.B. der Ton des Fernsehers eines Nachbarn akzeptabel oder unangenehm und aufdringlich sein, abhängig davon, ob er einem lieben Freund oder Angehörigen gehört oder jemand, den wir nicht mögen.

So wie ein Tier, das durch das Geräusch eines Angreifers alarmiert ist und sich um zu überleben nur noch auf das Geräusch konzentriert, so sind auch diejenigen, die Tinnitus als Bedrohung oder Warnsignal betrachten, unfähig etwas anderes zu tun, als auf ihn zu horchen. Das ist ein Teil jenes  Mechanismus, den die Menschen zur Selbsterhaltung entwickelt haben, was aber in dieser Situation ganz klar zu unseren Ungunsten wirkt.

Bei der Hyperakusis handelt es sich um eine Überempfindlichkeit auf von außen kommende Geräusche, die subjektiv als zu laut, unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Hyperakusis ist nicht identisch mit einem als quälend laut empfundenen subjektiven Tinnitus, bei dem eine externe Geräuschquelle nicht existiert. Es handelt sich dabei um ein psychoakustisches Phänomen mit veränderter Lautheitswahrnehmung.

Die organischen Befunde sind dabei in Ordnung. Aber: Hyperakusis ist oft mit Tinnitus vergesellschaftet, geht ihm oft voraus und beruht auf ähnlichen „Signalverarbeitungsstörungen“ wie der Tinnitus. Die Zunahme eines Ohrgeräusches nach einer Lärmexposition ist typisch für eine schwere Hyperakusis und wird auch als „Sound induzierte Tinnitus-Exazerbation“ bezeichnet. Betroffene sollten daher jede Art von Lärm unbedingt meiden, da sich dadurch in Ihrem Fall auch das Ohrgeräusch verstärkt. Andererseits dürfen Sie aber keineswegs den Fehler machen, permanent eine stille Umgebung aufzusuchen.

 

Therapie der Hyperakusis

Sie sollten versuchen, Ihr ganzes akustisches System wieder an normale Alltagsgeräusche zu gewöhnen, ohne sich dabei zu überfordern. Dabei hilft auch eine Musiktherapie, bei der Musikstücke eigener Wahl mehrfach am Tag in langsam ansteigender Lautstärke bewusst gehört werden, ohne sich dabei zu überfordern. Eine Entspannungstherapie wie autogenes Training, gezielter Stressabbau und gegebenenfalls eine Psychotherapie sind weitere therapeutische Optionen. Die Therapie der Wahl ist die Versorgung der Patienten mit NOISERN um das akustische System des Patienten wieder langsam und schrittweise an Umgebungsgeräusche zu gewöhnen.